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Gegen den Verbrauch in der Immobilienwelt

Am heutigen Weltverbrauchertag betrachten wir das Thema in Hinblick auf die Immobilienwelt. Ist «Wegwerfgesellschaft» auch bei Immobilien spürbar? Wie kann man unnötigem Verbrauch entgegenwirken? Welche Ideen weltweit gibt es bereits?

Die Baubranche trägt massgeblich zum CO2-Ausstoss der Schweiz bei. Durch den Transport von Materialien, Verwendung diverser Maschinen und letztendlich auch durch den Betrieb von Gebäuden. Doch wo könnte man angesetzen, sodass der Ausstoss von CO2 und der Verbrauch unserer endlichen Ressourcen reduziert wird?

Naturprodukte als Wiederverwendung natürlicher Ressourcen

Auch Naturprodukte verbrauchen Energie, wenn diese hergestellt werden. Doch man kann auch vorhandene Naturprodukte in einer bestehenden Immobilie wiederverwenden – oder zeigen. «Bei einem Projekt haben wir neben der Aufstockung auch die alten, bereits vorhandenen Balken freigelegt und gezeigt», erzählt Cornel Jnglin, Projektentwickler der siworks immo AG. «Dafür haben wir mit einer Bürstmaschine die Balken wieder ‘aufgehübscht’ und weiss lasierte Dreischichtplatten für die Zwischenräume verwendet. Dadurch, dass die alten Balken erhalten wurden, brauchte man keine neuen und die Investition war geringer.»

Indem man etwas optisch zeigt, kann man also auch nachhaltig umbauen. «Es wurden auch neue Materialien verwendet, aber mit Fokus auf Naturprodukten», sagt Cornel. Wie bereits beim Thema Energiesparen hatten wir auf das gute Raumklima dank Naturprodukten hingewiesen. «Wir legen bei der Projektentwicklung viel Wert auf Qualitätsprodukte, welche meistens auch Naturprodukte sind. Hier liegt unser Fokus auf der Langlebigkeit der Materialien und des Objektes.» Dabei stehen aber trotzdem immer die Bedürfnisse der Bauherrschaft im Vordergrund, ergänzt Cornel. Mit Holzfaserplatten, einem ökologischen Dämmstoff.

siworks Portfolio Referenzprojekt Dachstockausbau Doppeleinfamilienhaus Einsiedeln: Fertig innen 2

Revitalisierung von Immobilien – aus alt mach neu

Eine Revitalisierung bedeutet, dass man durch tiefgreifende Massnahmen eine Immobilie wieder in einen wettbewerbsfähigen Zustand bringt. Dabei orientiert man sich vor allem an den veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Bei dem Projekt «Papieri Cham» werden auch diverse Bestandesbauten revitalisiert. Sven Schatt, Bauherrenvertreter und Unternehmer der siworks immo AG, begleitet dabei beispielsweise die Baubereiche Papiermaschienen 1-4 und Lokremise. Hier werden die grundlegenden Strukturen erhalten und neu genutzt. Ein Teil des ehemaligen Industrieobjektes wird beispielsweise zu neuen Wohnräumen.

«In Anlehnung an die 2000-Watt-Gesellschaft baut die Cham Immobilien AG mit Fokus auf die Nachhaltigkeit und Wiederverwendung von vorhandenen Baustoffen. So wird beispielsweise Beton recycelt. Das bedeutet, dass vorhandener Beton mit geringen Mengen neuerem Beton aufgefrischt und dann wiedereingesetzt wird.» So zeigt die Cham Immobilien AG, dass auch bei einem Grossprojekt umwelt- und ressourcenschonend gebaut werden kann. «Dieser Beton wird nicht nur bei der Revitalisierung der Bestandesbauten, sondern auch bei den Neubauten wie Baubereich A eingesetzt», ergänzt Sven.

«Gerne unterstützen wir neben institutionellen auch private Bauherrschaften, falls sie Renditeobjekte umnutzen möchten – dafür gebe ich unter anderem Seminare. Um mein Wissen weiterzugeben, damit alle profitieren können», so Sven Schatt.

Recycling in der Immowelt

Neben Beton können auch viele weitere Baustoffe wiederverwendet werden. Hierfür wurde von Madaster Services eine «Online-Bibliothek für Materialien in der gebauten Umgebung» entwickelt. Dabei sind Gebäude eigentlich dokumentierte Lagerplätze, sodass eine spätere Wiederverwendung und Rückgewinnung von verbauten Materialien möglich wird.

Neben dem Recycling selbst sollte man auch innerhalb der Immobilienentwicklung die Kostenbeeinflussung berücksichtigen, sodass möglichst wenig Ressourcen verbraucht werden. «Wenn man richtig plant, verbraucht man automatisch weniger Ressourcen. Ausserdem ist es nur innerhalb der ersten Phasen – Konzept, Planung und Erstellung – wirklich möglich, die Kosten zu beeinflussen», sagt Claudia Kuhwald, Bauherrenvertreterin der siworks immo AG. «Ausserdem wird der Bauherr auch nicht enttäuscht, wenn man von Anfang an richtig kalkuliert. Und Qualität hat nun mal seinen Preis.»

Recyclinghäuser rund um den Globus

Weltweit gibt es kreative und nachhaltige Ideen, bei welchen Häuser aus recycelten Materialien entstehen. Dabei gibt es viele Unterschiede und Vorgehensweisen.

Beispielsweise werden vorhandene Ressourcen, die eigentlich als Abfall angesehen werden, neu genutzt – so wie Autoreifen als Dämmmaterial und Grundmauer. Die Speicherung von Sonnen- und Windenergie und das Auffangen von Regenwasser für die Wasserversorgung sind bei solchen Projekten ebenfalls öfters genutzt.

Andere Projekte nutzen auch den Willen, gegen die Umweltverschmutzung und gleichzeitig Notstände wie Obdachlosigkeit vorzugehen: Andreas Froese beispielsweise baut in mehreren Ländern aus Plastikflaschen ganze Häuser, Wassertank und Toilettenanlagen – und zeigt dabei auch noch den Bewohnern, wie man bei dem Bau vorgehen muss. Lehre und Lösung gleichzeitig für viele lokale Probleme.

In Dänemark wurden bereits mehrere Projekte erfolgreich abgeschlossen. So beispielsweise ein Upcycling-House, ein Haus aus Müll. Ein anderes Projekt ist ein biologisches Haus, welches im Kern aus recycleten Materialien besteht und die Fassade aus dem langlebigen Holz Kebony.

Im Süden von Deutschland lebt eine junge Frau in ehemaligen Schiffscontainern und liebt ihre eigenen vier Wände. Man kann also bestehende, nicht mehr gebrauchte Materialien umnutzen und so nicht nur Ressourcen der Umwelt, sondern auch viel Geld sparen. Der Trend, aus Müll Neues zu gestalten findet sich in unseren Nachbarländern öfters – so auch das Konzept eines «Earthships» das auf die Ideen des US-Architekten Michael Reynolds zurückgeht. Dabei können Wohnräume entstehen, die einen sehr hohen Autarkiegrad vorweisen, wie in Baden-Württemberg (DE), wo 24 Personen aus 1’300 gebrauchten Autoreifen, 7’500 alten Glasflaschen, Lehm und anderen Materialien alternativen Wohnraum geschaffen haben.

Es gibt also bereits viele Ideen und Beispiele weltweit – von welchem habt Ihr bereits gehört oder gelesen? Wir freuen uns auf eure Meinungen, Beispiele und Feedback in den Kommentaren.

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