Flachdachbegrünung – die Natur auf dem Dach

Dachgärten oder allgemein Begrünungen auf dem Dach sind nicht nur für das Auge sehr ansprechend. Auch der Natur wird Gutes getan – denn man kann ein Stück der Fläche an die Natur zurückgeben. So können auf natürliche Weise Heizkosten im Winter gespart und von einer natürlichen Klimaanlage im Sommer profitiert werden. Gleichzeitig bieten Begrünungen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.

Einen Teil der Fläche zurück an die Natur

In den letzten Jahrzehnten sind wichtige Flächen der Natur verschwunden, welche für unsere Natur und die hier lebenden Tiere und Pflanzen überlebenswichtig sind. Besonders durch Intensivierung der Landwirtschaft, der Bauwirtschaft und Zunahme des Wohnraumbedarfs, gingen diese Flächen zurück.

Die moderne Bauweise in vielen Städten und Gemeinden ist zunehmend von Flachdächern geprägt. Unter anderem bietet sich mit Flachdächern die Möglichkeit, der Natur ein qualitatives Stück Fläche zurück zu geben. Aber wie? In dem auf dem Flachdach eine Begrünung angelegt wird. Es wird unterschieden zwischen intensiver und extensiver Begrünung.

zvg. Urs Sutter; extensive Begrünung in dichtem Siedlungsraum
zvg. Gärtner Pflugshaupt AG
zvg. Gärtner Pflugshaupt AG

Intensive Begrünung: der Dachgarten

Die intensive Begrünung hat gemäss Richtlinien der Schweizerischen Fachvereinigung Gebäudebegrünung einen Deckungsgrad von über 70%. Man kann sich hier einen typischen Garten auf dem Dach vorstellen, der als Wohn- und Erholungsraum oder sogar als Ausstellungs- oder Verkaufsfläche nutzbar wäre. Solche intensiven Begrünungen steigern besonders in dichter besiedelten Siedlungsräumen die Wohn- und Lebensqualität. Bei Dachgärten steht besonders die Ökonomie im Vordergrund, da nicht genutzte, aber teure Flächen wieder nutzbar gemacht werden können. Gleichzeitig wird der Landbedarf reduziert und der Gebäudewert erhöht. Die Vorteile:

  • Unterstützung der Wärmedämmwirkung mit stärkeren Substratschichten (30cm und mehr)
  • Kombination mit Terrassenflächen, Sitz- und Gehbereichen üblich
  • Erweiterung des Lebens- und Nutzungsraumes mit einem «Dachgarten»

«Eine solche Begrünung ist oft unnatürlich und setzt auf den anfänglichen Wow-Faktor», sagt Urs Sutter, Inhaber der Urs Sutter GmbH. «Wenn der Dachgarten nicht gepflegt wird kann dieser Effekt jedoch schon nach einem Jahr verfliegen. Dadurch wird die Unnatürlichkeit dann sichtbar. Man bemerkt, dass sich lokale Pflanzen im verwendeten Substrat nicht ansiedeln können.» Wenn keine neuen Pflanzen dazu kommen, stirbt irgendwann die dortige Natur ab. Gemäss Sutter liegt «eine Biodiversität bei intensiver Begrünung bei unter 10%.»

Extensive Dachbegrünung Nahaufnahme
Extensive Dachbegrünung ist auch mit PV-Anlagen möglich
Quelle: Urs Sutter; Extensive Begrünung
Quelle: Urs Sutter

Extensive Begrünung: die ökologische Alternative

Deswegen setzt Sutter ausschliesslich auf die extensive Begrünung von Dachflächen. Unter extensiver Begrünung wird eine Begrünungsart mit niederen Pflanzen verstanden. Laut dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) sind extensive Dachbegrünungen «pflegeleichte und kostengünstige, flächige Begrünungen mit Moosen, Sedum, Extensivkräutern und Gräsern». Dabei sind ungefähr 40-70% der Dachfläche mit den niederen Pflanzen bedeckt. Dieser Deckungsgrad kann nach drei bis fünf Jahren in einem natürlichen System erreicht werden. Dabei wird entweder ein Ein- oder ein Mehrschichtaufbau angewandt. Die Vorteile der extensiven Begrünung liegen auf der Hand:

  • Ersatzlebensraum für Tiere und Pflanzen: auf einem extensiv begrünten Flachdach gibt es ein enorm hohes Insektenreichtum, besonders für die Bienen sind solche Naturräume überlebenswichtig.
  • Hohe Biodiversität durch natürliche und lokale Vegetationsschichten mit Erd-, Kies- und Sandanteilen.
  • Wasserzurückhaltung, wodurch die Pflanzen zum einen genährt und das Abwasser verringert wird.
  • Verdunstmöglichkeiten des Wassers, wodurch Gebäude und Umgebung auf natürliche Weise gekühlt werden

«Leider sehen die meisten Personen die fünfte Fassade nicht, deshalb interessiert sie nicht, was darauf ist und achten auf die kostengünstigste Möglichkeit», so Sutter. Ausserdem ist es wichtig, dass das Aufkommen von Wildwuchs durch jährliche Pflegegänge entfernt wird (siehe auch Flachdächer und das Potenzial für Schäden). Dabei ist der Pflegeaufwand aber trotzdem noch deutlich geringer als bei intensiver Begrünung.

Welche Begrünungsart sollte man wählen?

Es gibt wie bei fast allem, eine gute und schlechte Art der Begrünung. Oftmals ist die Begrünung an sich bereits eine Auflage für den Bau eines Gebäudes. Es ist also oftmals Pflicht, eine Begrünung auf dem Flachdach anzulegen. Die Ausführung ist dabei entscheidend, wobei es auch hier klare Vorgaben und Richtlinien gibt.

Wenn möglich sollte darauf geachtet werden, dass einheimische Pflanzen gewählt werden, sodass eine hohe Biodiversität entsteht. Auch einheimische Grasmischungen sind dabei entscheidend. Jedoch ist die Substratschicht auch entscheidend – hier findet Ihr dazu einen Artikel von hausinfo. Wegen der optischen Sicht wird die intensivere Begrünung öfter gewählt. Mit extensiver Begrünung ist jedoch mehr Angebot für die einheimischen Insekten und Pflanzen gegeben.

Am besten wäre eine Kombination aus extensiver und intensiver Begrünung, um eine möglichst hohe Biodiversität herzustellen.

– Adrian Steinger, Inhaber der Gärtner Pflugshaupt AG

Adrian Steinger zeigt auf, wie man zusätzlich zur Biodiversität beitragen kann:  Beispielsweise können einfache Steinhaufen ein Rückzugsort für Amphibien wie Eidechsen sein. Auch Totholzstämme mit gebohrten Löchern, können zur Artenvielfalt beitragen. Denn hier verstecken sich viele Insekten und legen auch ihre Eier dort ab. Mit natürlichen Insektenhotels können weitere Rückzugsorte und Eiablagestellen für Insekten und vor allem auch Bienen geschaffen werden.

Für die extensive Dachbegrünung hat die URS SUTTER GmbH eine Art Matte entwickelt, welche eine Wasserrückhaltefunktion beinhaltet. Das Produkt «VIRIdiVITA» sorgt dafür, dass der Pflanze das Wasser zur Verfügung steht, sobald diese die Matte durchwurzelt hat. Dabei besteht VIRIdiVITA aus einer «ökologisch wertvollen Oberfläche und schafft so die Grundlage für eine hohe Biodiversität mit Artenvielfalt und Wildbienen». Dabei wird Substrat einheimischen Ursprungs (100%) verwendet und über einen längerfristigen Zeitraum entsteht ein optimaler Lebensraum für Flora und Fauna, so Sutter.

Entwicklungen und Trends

Dr. Stephan Brenneisen, Leitung Forschungsgruppe Stadtökologie an der ZHAW, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, erklärt, dass «rund 90-95% der begrünten Dachflächen eine extensive Begrünung haben. Das liegt unter anderem vermutlich daran, dass die intensive Dachbegrünung Kosten um Faktor 5 im Vergleich mit sich bringen. Deswegen entscheiden sich (institutionelle) Bauherren oft für die extensive Begrünung.»

Im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, ein allmählich täglich aufkommendes Thema in den Medien, wird das Thema Dachbegrünung als mögliche Massnahme genannt. Jedoch sei das Potenzial von Dächern in den Städten bisher nicht ausgenutzt. Eine nachträgliche Dachbegrünung würde eher selten durchgeführt, da bei gegebener Funktionalität des Daches dieses meist nicht angegangen wird, so Brenneisen. «Vor allem, weil es ein hoher Kostenfaktor ist. Daher werden Dachbegrünungen meist erst bei einer Sanierung oder eben Erneuerung eines Daches durchgeführt.»

Dachbegrünungen schaffen natürliche Klimazonen auch innerhalb von Städten.

– Dr. Stephan Brenneisen, ZHAW

«Momentan liegt der Trend vor allem beim Thema Biodiversität. Wir möchten möglichst naturnah und einheimisch eine Begrünung anlegen. Ob intensiv oder extensiv ist dabei eher die Kostenfrage, gleichzeitig ist die Entscheidung abhängig von der aktuellen Situation vor Ort und der Bereitschaft der Bauherrschaft, in die Natur zu investieren und ein paar Franken mehr auszugeben», sagt Adrian Steinger.

Gemäss Brenneisen führen eher Dachdecker oder Subunternehmer die Arbeiten für Dachbegrünungen aus. Gärtnereien seien in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland weniger aktiv. Dort gäbe es Spezialfirmen, Dachgärtner, welche sich der Dachbegrünung widmen. «Womöglich liegt das auch daran, dass die Arbeiten u.a. auf der sensiblen Dachhaut ausgeführt werden. Dabei können Schäden auftreten, welche schlussendlich zu hohen Kosten führen können. Deshalb macht der Dachdecker die Begrünung lieber selbst, um auf der sicheren Seite zu sein», meint Brenneisen.

Zusätzliche Belastungen für das Flachdach erhöhen die Ansprüche

Genau dann, wenn die Anforderungen an das «System Flachdach» durch die Begrünung zunehmen, ist es wichtig, die Risiken zu kontrollieren und das Wasser im Griff zu haben. Mehr zu Orkanet, der Schweizer IoT-Lösung zur aktiven und autonomen Flachdach- und Dachterrassenüberwachung, findet Ihr hier.

Orkanet als Dachüberwachungssystem hat zwei entscheidende Vorteile: 1. Die permanente und allgemeine Dachkontrolle und 2. bei einer Alarmierung können wir durch den Einsatz unserer Ortungstechniken die Leckagen trotz technischer Aufbauten i.d.R. ohne Vorarbeiten schnell und punktgenau lokalisieren.

– Manuel Rostin, FLO – Flachdach Leckortung GmbH

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